Modul „Land- und Waldbau“ in der Revierhegemeister-Ausbildung

In Meerfeld / Vulkaneifel am 10. Oktober 2026.

von Daniel Sahm

Lebensräume gestalten mit Land und Waldbau

Am 10. Oktober 2026 trafen sich elf Teilnehmende in Meerfeld zu einem weiteren Fortbildungstag des Jagdaufseherverbandes Rheinland-Pfalz. Das acht Unterrichtseinheiten umfassende Modul „Land- und Waldbau“ widmete sich der Anlage und Pflege von Äsungs-, Ruhe- und Wildschutzflächen. Bildungsreferent Tom Landgraf eröffnete den Seminartag. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Reviere so gestalten lassen, dass die Bedürfnisse des Wildes auch unter veränderten Bedingungen in unserer Kulturlandschaft berücksichtigt werden.

Als Referent führte Revierjagdmeister Frank Lemke durch das Seminar. Der erfahrene Berufsjäger verband die fachlichen Grundlagen mit zahlreichen Beispielen aus seiner eigenen Revierarbeit. Dabei wurde früh deutlich, welches Verständnis ihn leitet: Jagd ist ein angewandtes Handwerk. Wer Lebensräume gestalten möchte, braucht Kenntnisse über Wild und Vegetation und muss bereit sein, Zeit und Arbeit in deren Pflege zu investieren.

Der fachliche Einstieg galt dem Waldbau und seiner Bedeutung für die Hege. Lemke beleuchtete unterschiedliche Bewirtschaftungsziele und warb dafür, den Wald auch aus der Perspektive seiner tierischen Bewohner zu betrachten. Weichgehölze, Brombeeren und eine vielfältige Begleitvegetation können wichtige Äsungsangebote schaffen. Wie sich diese mit forstlichen Interessen und dem Schutz junger Bäume verbinden lassen, wurde anhand konkreter Reviersituationen diskutiert. Besonders greifbar wurde dabei, wie eng Waldstruktur, Äsungsmöglichkeiten und menschliche Störungen zusammenhängen.

Für die Planung von Wildäckern und Wildwiesen stellte Lemke die jeweiligen Wildarten und die vorhandenen Revierstrukturen in den Vordergrund. Ein Revier mit rudelbildendem Schalenwild verlangt andere Flächengrößen und Äsungsangebote als ein klassisches Niederwildrevier. Beim Rehwild als Konzentratselektierer kommt es besonders auf die Qualität und Vielfalt der Pflanzen an. Im Niederwildrevier sind kleinräumig verteilte Strukturen wichtig, die Äsung und rasch erreichbare Deckung miteinander verbinden. Gepflegte Hecken, Feldgehölze und Blühflächen wurden ebenso behandelt wie die Bedeutung von Insekten als Nahrung für die Küken von Fasan und Rebhuhn.

Anschaulich erläuterte Lemke, warum eine Saatmischung erst nach genauer Betrachtung des Standorts ausgewählt werden sollte. Lichtverhältnisse, Bodenbeschaffenheit und die längerfristige Verfügbarkeit einer Fläche bestimmen, welcher Aufwand sinnvoll ist. Eine heute offene Waldschneise kann mit zunehmendem Kronenschluss ihre Eignung als Äsungsfläche verlieren. Zur Planung gehören deshalb auch die Klärung der Besitzverhältnisse, die Abstimmung mit den Eigentümern und die rechtlichen Rahmenbedingungen der Flächennutzung. Vorhandene Zeigerpflanzen können erste Hinweise auf den Standort geben und helfen, dessen Möglichkeiten realistischer einzuschätzen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Bodenpflege. Lemke erläuterte den Wert von Bodenuntersuchungen, die Bedeutung des pH-Wertes und den Zusammenhang zwischen Kalkversorgung und Nährstoffverfügbarkeit. Auch organische Dünger und die Humusbildung wurden ausführlich besprochen. Ziel der Bewirtschaftung sei ein vitaler, vom Wild gern angenommener Pflanzenbestand. Die Maßnahmen müssten dafür zum Boden, zur Kultur und zu den praktischen Möglichkeiten im Revier passen. Seine Beispiele zu Geräten, Zufahrten und der Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben zeigten, dass eine gute Idee auch wirtschaftlich und organisatorisch umsetzbar sein muss.

Für die Mittagsverpflegung hatte Frank Lemke Kartoffelsalat mit Würstchen organisiert. Am Nachmittag rückten geeignete Äsungspflanzen und deren Pflege stärker in den Mittelpunkt. Besprochen wurden unter anderem Kleearten, kräuterreiche Mischungen und Spitzwegerich sowie die Möglichkeiten einer längerfristigen Nutzung von Topinambur. Bei Raps und anderen Kreuzblütlern ging es um ihre Eignung als Winteräsung und die Bedeutung einer passenden Fruchtfolge. Die Auswahl blieb dabei stets an die konkrete Frage gebunden, welches Wild eine Fläche nutzen soll und welchen Zweck sie erfüllen muss.

Wie entscheidend die Pflege für den Erfolg ist, verdeutlichte Lemke am Beispiel der Wildwiesen. Schröpfschnitte, Nachsaat und das Abräumen des ersten Schnitts können dazu beitragen, erwünschte Pflanzen zu fördern und frischen Aufwuchs zugänglich zu halten. Auch der Umgang mit Ampfer und Kreuzkraut wurde angesprochen. Gerade an solchen Beispielen zeigte sich der praktische Wert von Pflanzenkenntnissen: Wer erkennt, was auf einer Fläche wächst, kann rechtzeitig reagieren und seine Bewirtschaftung gezielter ausrichten.

Mit der Anlage und Pflege von Verbissgehölzen öffnete sich der Blick auf weitere Möglichkeiten der Reviergestaltung. Am Beispiel von Weidenstecklingen erläuterte Lemke, wie sich mit überschaubarem finanziellem Aufwand zusätzliche Äsung und Deckung schaffen lassen. Zugleich machte er deutlich, dass junge Bestände je nach Standort und Wildbesatz zunächst geschützt werden müssen. Auch hier entscheidet die Aufmerksamkeit in den ersten Jahren darüber, ob aus einer Pflanzung ein dauerhaft nutzbarer Bestandteil des Reviers wird.

Zum Abschluss führte Lemke die verschiedenen Maßnahmen mit der Jagdstrategie zusammen. Eine attraktive Wildäsungsfläche erfüllt ihren Zweck nur, wenn das Wild sie auch nutzen kann. Häufige Störungen und hoher Jagddruck können diesen Nutzen erheblich einschränken. Er plädierte deshalb dafür, Äsungsangebote, Ruhe und Bejagung im Zusammenhang zu planen. Die Erfahrungen und Fragen aus der Runde machten zugleich deutlich, wie unterschiedlich die Voraussetzungen von Revier zu Revier sein können.

Der Seminartag in Meerfeld vermittelte damit viele konkrete Anregungen für die eigene Revierarbeit. Lemkes Ausführungen machten verständlich, wie aus Standortkenntnis und konsequenter Pflege wertvolle Lebensräume entstehen können. Am Ende stand auch die Freude an dieser Arbeit: Pflanzen wachsen zu sehen und zu beobachten, wie Insekten und Wild die geschaffenen Strukturen annehmen. Darin wird Hege sichtbar und ihr Erfolg unmittelbar erfahrbar.

Waidmannsheil und ein herzliches Dankeschön an Frank Lemke für die praxisnahe Vermittlung sowie an alle Teilnehmenden für den engagierten Austausch!

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