von Daniel Sahm
Wildbewirtschaftung mit Tiefgang – Seminar am 11. Oktober 2025 in Meerfeld
Am 11. Oktober 2025 fand in Meerfeld der zweite Teil der Fortbildungsreihe „Wildbewirtschaftung“ statt.
Erneut bot der Blick auf das Meerfelder Maar – eingerahmt von den herbstlich leuchtenden Hängen der Vulkaneifel – die perfekte Kulisse für einen Tag, der Theorie und Praxis der modernen Wildbewirtschaftung miteinander verband.
Zu Beginn begrüßte Wolfgang Steffen, Vorstandsmitglied des Jagdaufseherverbandes Rheinland-Pfalz, die Teilnehmenden und eröffnete das Seminar. Mit einem kurzen organisatorischen Überblick und einem herzlichen Dank an Referent und Gastgeber stimmte er die Runde auf den bevorstehenden Fortbildungstag ein. Seine Worte unterstrichen die Bedeutung des gemeinsamen Lernens und des kollegialen Austauschs innerhalb des Verbands – beides prägte auch diesen Seminartag.
Im Anschluss sorgte Alexander Schmidt, stellvertretender Bildungsreferent des Jagdaufseherverbandes, mit frischem Kaffee und freundlichen Worten für einen angenehmen und gemütlichen Einstieg. So entstand gleich zu Beginn eine offene und konzentrierte Atmosphäre, die den Rahmen für einen rundum gelungenen Seminartag bildete.
Referent des Tages war erneut Revierjagdmeister Frank Lemke, dessen ruhige und präzise Art es einmal mehr verstand, Fachwissen, Erfahrung und jagdliche Leidenschaft zu verbinden. Im Mittelpunkt standen diesmal die Themen Wildschäden erkennen, bewerten und vermeiden, Wildvermarktung sowie der Umgang mit Wildunfällen.
Anhand anschaulicher Beispiele aus seiner Revierpraxis erläuterte Lemke, wie Wildschäden auf Grünland, im Feld und im Wald entstehen und welche Faktoren für ihre sachgerechte Bewertung entscheidend sind. Besonders praxisnah zeigte er auf, welche Schäden ersatzpflichtig sind, wie sie fachgerecht repariert werden können und welche Rolle dabei Maschinen wie Kreiselegge, Wiesenhobel oder der sogenannte Wiesenengel spielen. Auch wirtschaftliche Aspekte – etwa zur Berechnung von Aufwuchs- und Substanzschäden – wurden eingehend behandelt.
Lemke betonte, dass erfolgreiche Wildschadensvermeidung vor allem Kommunikation erfordert: im Dialog mit Landwirten, Jagdausübenden und Behörden. Er stellte praxisnahe Strategien vor – von mechanischen Schutzmaßnahmen über abgestimmte Bejagungskonzepte bis hin zur gemeinsamen Planung von Fruchtfolgen. Am Beispiel des Schwarzwilds als anpassungsfähigem Kulturfolger zeigte er eindrucksvoll, wie stark Wildbewirtschaftung und Landwirtschaft heute miteinander verflochten sind.
Am Nachmittag widmete sich der Seminarteil dem Themenkomplex Wildvermarktung und Fleischhygiene. Lemke erläuterte die rechtlichen Grundlagen – von der Trichinenuntersuchung über die Fleischbeschau bis hin zu Fragen der Vermarktung in der Decke oder verarbeitetem Zustand. Dabei machte er deutlich, dass Verantwortungsbewusstsein und Hygiene nicht erst bei der Verarbeitung, sondern bereits mit dem Schuss beginnen.
Zum Abschluss des Seminartages kam Hauswirtschaftsmeisterin Viktoria Lemke hinzu, die den Teilnehmenden eindrucksvoll den sorgsamen Umgang mit dem wertvollen Lebensmittel Wildbret näherbrachte. Mit viel Fachkenntnis und sichtbarer Leidenschaft erklärte und demonstrierte Frau Lemke den praktischen Umgang in der Küche – vom richtigen Zerwirken über die Vorbereitung bis hin zur Lagerung. Besonders großes Interesse weckte ihre anschauliche Demonstration, wie das sogenannte „Bürgermeisterstück“ aus der Keule gelöst wird – ein besonders zarter, dreieckiger Muskel, der traditionell als feinstes Stück der Keule gilt und früher dem Bürgermeister oder Pfarrer vorbehalten war. Ein Detail, das bei vielen Anwesenden für Aha-Momente sorgte.
Der zweite Teil des Seminars knüpfte nahtlos an den ersten an – fachlich fundiert, praxisnah und getragen von einer kameradschaftlichen Atmosphäre. Beide Veranstaltungstage in Meerfeld zeigten eindrucksvoll, wie moderne Wildbewirtschaftung Verantwortung, Wissen und Leidenschaft miteinander verbindet.
Waidmannsheil und ein herzliches Dankeschön an Frank und Viktoria Lemke für die hervorragende Vermittlung, an Alexander Schmidt für den gelungenen Einstieg in den Seminartag sowie an Wolfgang Steffen für die Eröffnung und Unterstützung vor Ort.




