Revierhegemeister-Ausbildung – Modul „Wildbewirtschaftung I“

von Daniel Sahm

Wildbewirtschaftung mit Verantwortung

Am 27. September 2025 fand in der Vulkaneifel der erste Teil des zweiteiligen Fortbildungsseminars „Wildbewirtschaftung“ statt. Veranstaltungsort war die Vereinsgaststätte des FC Meerfeld – mit direktem Blick auf das beeindruckende Meerfelder Maar. Die frühe Anfahrt durch das herbstlich gefärbte Umland war nicht nur landschaftlich ein Erlebnis, sondern bot auch den passenden Auftakt für einen Seminartag, der sich intensiv mit der verantwortungsvollen Gestaltung jagdlicher Eingriffe im Lebensraum Wild beschäftigte.

Als Referent konnte Revierjagdmeister Frank Lemke gewonnen werden – ein erfahrener Berufsjäger, der die Inhalte mit hoher fachlicher Tiefe und ausgeprägtem Praxisbezug vermittelte. Gleich zu Beginn nahm Lemke eine sachliche, zugleich differenzierte Einordnung des novellierten Landesjagdgesetzes vor. Er bezeichnete die Reform als Paradigmenwechsel, bei dem der staatliche Einfluss deutlich zugenommen habe und sich daraus veränderte Rollen und neue Herausforderungen für die Jägerschaft ergeben. Diese kritische Reflexion bildete den Übergang zur inhaltlichen Arbeit des Tages.

Der erste große Themenblock widmete sich der Wildfütterung. Lemke erläuterte, warum sich angesichts klimatischer Veränderungen die Notwendigkeit klassischer Notzeitfütterungen in Rheinland-Pfalz deutlich reduziert hat. Anhand konkreter Beispiele wurden rechtliche Vorgaben, Fütterungssysteme und typische Fehler in der Praxis besprochen. Besonders wertvoll waren Lemkes Hinweise zur sachgerechten Auswahl und Ausbringung von Futtermitteln sowie zur rechtssicheren Handhabung von Kirrungen – inklusive des Einsatzes von losem Viehsalz. Die Blüte des Buschwindröschens stellte er als biologischen Marker für das Ende der Fütterungsperiode vor, da sie den Beginn der natürlichen Vegetationsphase anzeigt.

Im weiteren Verlauf ging es um Wildäcker und Wildwiesen – und deren Potenzial als sinnvolle Ergänzung im Revier. Dabei wurde deutlich: Eine Wiese wird nicht allein durch Wildwuchs zur Wildwiese. Vielmehr bedarf es fachlicher Planung, standortgerechter Saaten und regelmäßiger Pflege. Mit praxisnahen Tipps – etwa zur gezielten Förderung von Spitzwegerich – zeigte Lemke auf, wie aus einer Fläche ein wertvoller Lebensraum mit jagdlicher Relevanz entstehen kann. Auch auf den langfristigen Nutzen des aufwendigen, aber lohnenswerten Etablierens von Topinambur wurde eingegangen.

Zum Mittag wurde eine exzellente Erbsensuppe gereicht, die bei allen Teilnehmenden großen Anklang fand – eine willkommene Stärkung vor dem zweiten Teil des Seminartags.

Am Nachmittag lag der Fokus auf der sachgerechten Bejagung von Schalenwild. Lemke beleuchtete unter anderem den Einsatz von Nachtsichttechnik und stellte dem kurzfristigen jagdpraktischen Nutzen deren langfristige Auswirkungen gegenüber. Statt auf rein technologische Lösungen zu setzen, plädierte er für eine Bejagung, die störungsarm, wildbiologisch fundiert, rechtssicher und effizient durchgeführt wird – Prinzipien, die traditionell gewachsen sind und auch in der Gegenwart ihre Gültigkeit behalten.

Besonders eindrücklich war Lemkes Erörterung einzelner Wildarten – stets verbunden mit praxisbezogenen Empfehlungen, fundierter Biologie und persönlichen Erfahrungen. Auch bei Fragen zur Wildverwertung – insbesondere in den Minuten vor und nach dem Schuss – konnte er selbst erfahrenen Jagdausübenden wertvolle Impulse geben.

Abschließend wurde der Themenblock Prädatorenschutz behandelt. Hier zeigte sich einmal mehr Lemkes Fähigkeit, differenzierte Themen offen, fachlich fundiert und gleichzeitig konstruktiv-kritisch zu diskutieren. Die Rolle der Großprädatoren wurde dabei ebenso thematisiert wie die Verantwortung der Jägerschaft im Rahmen eines ausgewogenen Artenschutzes.

Der Seminartag in Meerfeld war geprägt von Fachlichkeit, Praxisnähe und einer angenehmen Diskussionskultur. Viele Teilnehmende äußerten bereits vor Ort ihre Vorfreude auf den zweiten Teil der Fortbildung, der am 11. Oktober 2025 stattfinden wird.

Waidmannsheil und ein herzliches Dankeschön an Frank Lemke für seine herausragende Vermittlung sowie an alle Teilnehmenden für ihr engagiertes Mitwirken!

Dozent RJM Frank Lemke, 2.v.r.
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