in der Revierhegemeister-Ausbildung
Praxisnahe Schulung für Jagdaufseher in Schweisweiler
von Daniel Sahm
Verantwortung am Anschuss.
Am 7. März 2026 fand in Schweisweiler das „Anschuss- Seminar“ statt – ein Fortbildungstag, der sich einem Kernbereich waidgerechter Jagdausübung widmete: dem richtigen Handeln nach dem Schuss, am Anschuss und in der Nachsuche. Bildungsreferent Tom Landgraf eröffnete den Seminartag und begrüßte den Referenten Wildmeister Helmut Hilpisch, ein außerordentlich erfahrener Praktiker, der selbst in hoher Frequenz Schweißhundeeinsätze absolviert und aus einem Erfahrungsschatz schöpft, der weit über theoretisches Wissen hinausgeht. Gleich zu Beginn setzte er mit dem Satz „Menschheitsgeschichte ist Jagdhundegeschichte“ einen markanten Auftakt. In diesem Gedanken lag bereits vieles von dem, was den weiteren Verlauf des Tages prägte: die enge Verbindung von Mensch, Hund und Jagd – und die Pflicht, die aus dieser Verbindung erwächst.
Diese jagdethische Grundhaltung zog sich wie ein roter Faden durch das gesamte Seminar. Hilpisch sprach nicht nur über die Verantwortung gegenüber dem Wild und gegenüber der Jagd als Handwerk, sondern ebenso über die Verantwortung gegenüber dem Hund. Für ihn gehört zur waidgerechten Jagdausübung zwingend dazu, brauchbare und vor allem auch spezialisierte Hunde zu führen und ihre Arbeit nicht als Zusatz, sondern als unverzichtbaren Teil jagdlicher Sorgfalt zu begreifen.
Inhaltlich spannte das Seminar einen breiten und zugleich präzisen Bogen. Behandelt wurden das Verhalten bei und nach dem Schuss, das richtige Vorgehen bei Treffer und Fehlschuss, die Anschusskontrolle, das Erkennen und Deuten von Pirschzeichen, typische Schusszeichen beim Wild, die Auswirkungen unterschiedlicher Trefferlagen sowie die einschlägigen Rechtsgrundlagen. Hilpisch verstand es dabei, auch komplexe Zusammenhänge klar, anschaulich und jederzeit mit Bezug zur jagdlichen Praxis zu vermitteln.
Besonders eindrücklich war seine Auseinandersetzung mit der wachsenden Bedeutung qualifizierter Nachsuchengespanne. Der Bedarf an hochklassigen Schweißhundeteams nimmt spürbar zu – nicht zuletzt durch den vermehrten Einsatz technischer Hilfsmittel bei der Jagd. Diese mögen manches erleichtern, stoßen jedoch gerade bei schwierigen Nachsuchen deutlich an ihre Grenzen. Genau darin lag eine der zentralen Botschaften des Tages: Moderne Technik kann unterstützen, den qualifizierten Schweißhund ersetzt sie nicht.
Von besonderem Gewicht war auch Hilpischs Blick auf die Gefährdungen, denen Hunde im Nachsucheneinsatz ausgesetzt sind. Straßenverkehr, wehrhafte Keiler, der Wolf und weitere Risiken gehören längst zur Realität dieser Arbeit. Gerade dieser ungeschönte Blick auf die Praxis verlieh dem Seminar zusätzliche Tiefe. Es blieb nicht bei methodischen Abläufen, sondern machte deutlich, dass Nachsuche immer auch Besonnenheit, Erfahrung, Mut und Verantwortungsbewusstsein verlangt.
Von hohem praktischem Wert waren zudem Hilpischs Ausführungen zum korrekten Einweisen eines gerufenen Nachsuchenführers. Hier wurde besonders greifbar, wie entscheidend das Verhalten des Schützen nach dem Schuss für den weiteren Verlauf ist. Was wurde am Stück beobachtet? Wie zeichnete es? Wo lag der Anschuss? Welche Fluchtrichtung konnte sicher erkannt werden? Welche Pirschzeichen wurden gefunden – und was wurde womöglich bereits ungewollt verändert? Gerade diese Details entscheiden in der Praxis häufig darüber, ob eine Nachsuche sauber aufgebaut werden kann oder unnötig erschwert wird.
Hilpisch gestaltete das Seminar lebhaft, eindringlich und stets mit hoher fachlicher Autorität. Seine Berichte aus der Praxis waren lehrreich, konkret und von einer klaren Haltung getragen. Das verlieh dem Tag eine besondere Glaubwürdigkeit. Man merkte in jeder Phase: Hier sprach jemand, der Nachsuchen nicht nur erklärt, sondern unter realen Bedingungen immer wieder geht.
Ein besonderes Highlight bildete der Praxisteil. An realitätsnahen Fallbeispielen konnten die Teilnehmenden selbst üben, Pirschzeichen zu erkennen, richtig einzuordnen und daraus die ersten Schlüsse für das weitere Vorgehen zu ziehen. Gerade dieser unmittelbare Wechsel vom Zuhören ins eigene Sehen, Bewerten und Entscheiden machte den Lerneffekt besonders hoch. Aus Theorie wurde hier spürbar jagdliches Handwerk.
So erwies sich das Anschuss-Seminar in Schweisweiler als ein Fortbildungstag mit großer fachlicher Tiefe und unmittelbarer Relevanz für die jagdliche Praxis. Es schärfte den Blick für das Wesentliche, stärkte das Verständnis für die Arbeit der Nachsuchengespanne und machte eindrucksvoll deutlich, dass waidgerechtes Jagen nicht mit dem Schuss endet. Gerade am Anschuss zeigt sich, wie viel Können, Disziplin und Verantwortung tatsächlich im Waidwerk liegen.
Waidmannsheil und ein herzliches Dankeschön an Wildmeister Helmut Hilpisch für ein ebenso eindrucksvolles wie lehrreiches Seminar.




